Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 18  |  September 2016

Einige Leitlinien für Orientierung und Handlung

EINIGE LEITLINIEN FÜR ORIENTIERUNG & HANDLUNG

Beim Tod von Muhammad Ali war mein erster Gedanke: „Das kann nicht sein.“ Es war, als würde sich ein sicher geglaubter Bestandteil meines Lebens davonmachen. Natürlich habe ich ihn nicht persönlich gekannt, aber er schien so unverbrüchlich zu sein – trotz seiner Krankheit. Ein Fels in der Brandung. Ein Felsen, den wir brauchen, wenn es wirklich stürmisch wird.

Jetzt wage ich einen Spagat und komme wieder zum Papst als Ideengeber dieser Kolumne. Denn nach der Analyse unserer aktuellen Situation kommt er gegen Ende seines Buches hin zu möglichen Wegen.

An erster Stelle steht für ihn, dass aufgrund der globalen Zusammenhänge und Auswirkungen unseres Handelns auch an eine einzige Welt und an einen gemeinsamen Planeten zu denken ist. Was die Sache nicht einfach macht – aber dass es einfach ist, hat auch niemand behauptet.

Er fordert einen Umweltdialog, der den weltweiten Herausforderungen wirklich gewachsen ist. Der auf Ehrlichkeit, Mut und Verantwortung basiert und nicht versucht, schnelle Lösungen zu finden, die am Ende des Tages doch nicht mehr sind als ein grün angestrichenes „Mehr vom Gleichen“. Denn unsere Konsumgesellschaft, die unmittelbar auf Ereignisse reagiert, kennt nur den Weg des wirtschaftlichen Wachstums als Lösungsansatz. Dazu braucht es globale Rahmenbedingungen, die mit der Klimakonferenz in Paris schon gesetzt wurden.

Die wahre Größe – politisch und unternehmerisch – zeigt sich dann, wenn das langfristige Gemeinwohl auch in schwierigen Momenten ein Grundsatz bleibt. Unser Renditedenken lässt keinen Platz für die Komplexität von Öko- oder Sozialsystemen.

An dieser Stelle brauchen wir Kreativität und Freiraum, um ein neues Verständnis zu schaffen, was Lebensqualität für uns ausmacht. Der Papst spricht von einer „Politik, deren Denken einen weiten Horizont umfasst und die einem neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Durchbruch verhilft, indem sie verschiedene Aspekte der Krise in einen interdisziplinären Dialog aufnimmt“.

Aber eben nicht nur eine Politik, sondern ein Umdenken, das bei uns selbst anfängt. Sonst warten die Unternehmen auf die Politik, die Politik wartet auf die Impulse aus der Wirtschaft und nichts bewegt sich. Und das ist ein Umdenken, das nicht unbedingt im Kopf beginnt. Oder wie Muhammad Ali gesagt hat: „Meine Seele hat über die Jahre gelernt und einige meiner Ansichten haben sich verändert. Solange ich lebe, will ich versuchen, mehr zu verstehen, denn die Arbeit des Herzens ist niemals beendet. Ich lerne immer noch dazu.“

Nicola Knoch
Redaktion Initiative Wissen