Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 20  |  November 2016

Digitalisierte Arbeitswelt

DIGITALISIERTE ARBEITSWELT

„Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.“

Diese etwas ironische Gleichung trifft nur dann zu, wenn die Gesellschaft und die Unternehmen es versäumen, die Digitalisierung konstruktiv anzunehmen. „Komplex heißt nicht kompliziert“, aber es wird anstrengender, wenn wir vom analogen ins digitale Zeitalter wechseln. Frau Professorin Isabell Welpe, die an der TU München einen Lehrstuhl für Strategie und Organisation innehat, sagt: „Auch der Wettbewerb zwischen den Arbeitnehmern wird steigen.“ Der Wettbewerb um qualifizierte Jobs nimmt so oder so zu. Die technologieaffinen Mitarbeiter der Generation Y erwarten Transparenz, Mitsprache, Gleitzeiten, Freude an der Arbeit sowie Zeit für Freunde und Familie. In der projektbezogenen Arbeitsweise wird ein autoritärer Führungsstil nicht mehr funktionieren. Der „Untergebene“ heißt heute „Follower“ und der Manager muss eher ein „Leader“ sein. Der menschliche Hang zu Hierarchien muss überwunden werden, denn die Arbeit in der digitalen Wirtschaft ist flach und projektbezogen organisiert.

Das stellt auch die Arbeitsumgebung infrage: Großraumbüros, die nach der Gefängnisbauweise des „Panoptikums“ von Bentham (1791) übernommen wurden (von diesem Konstruktionsprinzip erhoffte sich Bentham, dass sich alle Insassen zu jeder Zeit regelkonform verhalten – also abweichendes Verhalten vermeiden –, da sie jederzeit davon ausgehen müssten, beobachtet zu werden), werden umgestaltet werden und einer intimeren, kreativeren Architektur weichen müssen. Denn diese „Überwachungsmuster“ funktionieren immer noch nach dem „Anwesenheitsmuster“ – wer früh am Schreibtisch sitzt und spät geht, ist wohl auch produktiv.

In einer konservativen Arbeitsarchitektur ist es schlicht unmöglich, beispielsweise Gespräche oder Telefonate auf einem seriösen oder kreativen Niveau zu führen. Dafür muss man in die Cafeteria, wenn vorhanden, auf den Flur oder in einen zufällig leeren Besprechungsraum flüchten. Digital arbeiten heißt auch autonom arbeiten und wird in einer analogen Führungsweise nicht funktionieren. Die veränderten mentalen Strukturen der Mitarbeiter werden auch die Arbeitsabläufe und die Arbeitsumgebung verändern. Hier sind natürlich auch die Personalleiter gefordert, damit auch die vor 1980 geborenen Mitarbeiter Zugang zur digitalen Arbeitswelt finden. Die „digitale Erleuchtung“ wird kommen und verlangt völlig neue „Mindsets“. Mehr dazu in den kommenden Newsletters.

Peter Grabandt
Initiative Wissen