Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 21  |  November 2016

Digitalisierte Arbeitswelt

WORTE SCHAFFEN WIRKLICHKEIT

Unsere Fähigkeit zu sprechen ist das stärkste und vielseitigste Instrument, das wir besitzen. Neben der Möglichkeit, mit anderen zu kommunizieren, können Worte schmeicheln, eine Haltung und Wertschätzung ausdrücken, sie können heilen und sind gleichzeitig die schärfste Waffe, die wir haben.

Wer kennt das nicht: Wir unterhalten uns mit jemandem und auf einmal kippt die Stimmung. Irgendetwas haben wir selbst oder hat der andere gesagt, was entweder uns selbst oder den Gesprächspartner nachhaltig verstört hat. „Es war ja nicht so gemeint“, aber die gerade noch entspannte Atmosphäre ist dahin. Im besten Falle nehmen wir diese Veränderung wahr und thematisieren die Störung oder – und das ist in den meisten Fällen die gewählte Strategie – wir versuchen, irgendwie aus dieser unangenehmen Situation „rauszukommen“, indem wir wahlweise das Gespräch schnell beenden oder zumindest das Thema wechseln.

Was genau ist passiert? Kommunikation ist bei Weitem nicht nur der Austausch von Inhalten, sondern immer auch ein Ausdruck für die persönliche Beziehung der Kommunikationspartner. Und Worte sind nicht nur Worte, sie vermitteln eine Haltung, schaffen eine Atmosphäre, sie können Beziehungen aufbauen – oder zerstören. Wir haben die Wahl – wann immer wir sprechen.

Denn die Verletzungen, die wir uns durch Worte zufügen, können eine fatale Wirkung haben – gerade weil sie nach außen nicht sichtbar sind. Manche Sätze setzen sich fest und wirken langfristig – auch wenn das vom Sender „so gar nicht gemeint war“. Wenn der Schnitt richtig sitzt, dann bleibt die Narbe, manchmal ein Leben lang.

Worte haben nicht nur eine Wirkung auf unser Gegenüber, sondern auch auf uns selbst.

Der Neurowissenschaftler Dr. Andrew Newberg und der Kommunikations-Experte Robert Waldman schreiben in ihrem Buch „Words Can Change Your Brain“:

„Ein einziges Wort hat die Macht, die Auswirkung jener Gene zu beeinflussen (Genexpression), die körperlichen und emotionalen Stress regulieren.“

Mit positiven Wörtern stärken wir Motivation, Denkleistung und Mitgefühl. Und die gute Nachricht dabei: Die heilsame Wirkung von Worten lässt sich lernen. Ganz einfach indem wir achtsam sind und Worte behutsam verwenden. Eine Methode ist das Prinzip der gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg, die uns den Unterschied zwischen wertender und wertfreier Kommunikation lehrt.

Nach Newberg/Waldman beginnt sich mit einer achtsameren Sprache unsere Wahrnehmung zu verändern. Je positiver wir uns selbst begegnen, umso freundlicher können wir auch auf andere Menschen zugehen.

Genau wie alles andere ist es ein Lernprozess, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie wir Worte benutzen. Zu Beginn braucht es Konzentration und manchmal müssen wir auch mit dem unbequemen Gefühl des Ungewohnten umgehen, wenn sich noch unbequem und ungelenk anfühlt, was wir tun.

Oder wir halten uns an Sokrates, der uns sagt: „Bevor Du sprichst, frage Dich: Ist es freundlich? Ist es nötig? Ist es wahr? Und ist es besser als die Stille?“

Nicola Knoch
Initiative Wissen