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Ausgabe 23  |  Januar 2017

Ökologische Erziehung und Spiritualität

ÖKOLOGISCHE ERZIEHUNG UND SPIRITUALITÄT


Als ich begonnen habe meinen Beitrag zu diesem letzten Kapitel der Papst-Enzyklika zu schreiben, war die Idee den Text zum Abschluss der Klimakonferenz in Marrakesch zu veröffentlichen. Ein Jahr nach dem Beschluss zur Klimarahmenkonvention in Paris, als Punkt und Ausblick zum Handeln. Aber wie so oft in diesem Jahr ist kurz danach alles anders als vorher. Vor ein paar Wochen schien mir die Aussage des Papstes eine gute Option zu sein, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben und, dass es sich lohnt, gut und ehrlich zu sein. Und dass um die Gesellschaft menschlicher zu machen, die Liebe im sozialen Leben – auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene – neu bewertet und zur beständigen obersten Norm des Handelns erhoben werden muss.

Und heute ist Donald Trump der nächste Präsident der USA. Wie er mit dem Thema Klimapolitik umgehen wird, ob er dafür eine Strategie hat – wer weiß das schon, vielleicht weiß er es selbst nicht.

Es ist als wäre der Satz des Papstes „Das Verschwinden der Demut in einem Menschen, der maßlos begeistert ist von der Möglichkeit, alles ohne jede Einschränkung zu beherrschen, kann letztlich der Gesellschaft und der Umwelt nur schaden.“, genau für den Moment geschrieben worden, der jetzt eingetreten ist.

Immerhin wird das Entsetzen nach der Wahl als kollektiv empfundener Moment im Gedächtnis bleiben. Aber was entsteht daraus?

Vielleicht geht es eben gerade nicht darum unsere Energie zu bündeln, indem wir gegen etwas sind, sondern dass wir uns vielmehr darin bestärken sollten, was uns gemeinsam wirklich wichtig ist. Dass es zu einfach ist laut gegen andere zu wettern, weil wir uns dann an elementaren Fragen vorbei mogeln können, die nicht einfach zu beantworten sind. Wie wollen wir leben? Was tue ich selbst dazu, dass mein Wunsch Realität wird? Wie gehe ich mit meiner Umwelt um? Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um?

Ich bin mir nicht mehr sicher. Ich bin mir nicht mehr sicher ob wir neue Wege finden, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen. Vielleicht ist gerade die Wahl von Donald Trump der lebende Beweis dafür, dass wir mit schwarz/weiß und richtig/falsch nicht mehr weiter kommen.

Der Papst meint, dass „Die gegenwärtige Situation der Welt ein Gefühl der Ungewissheit und Unsicherheit schafft, das seinerseits Formen von kollektivem Egoismus (…) begünstigt. Wenn die Menschen selbstbezogen werden und sich in ihrem eigenen Gewissen isolieren, werden sie immer unersättlicher. Während das Herz des Menschen immer leerer wird, braucht er immer nötiger Dinge, die er kaufen, besitzen und konsumieren kann.“

Und genau da möchte ich zum ersten Mal dem Papst widersprechen. Ich glaube, dass unser ständig wachsender Konsum ein Zeichen von Hilflosigkeit ist – mit der wir versuchen eine innere Leere zu füllen. Ganz einfach weil wir das so gewohnt sind. Wir sind nicht perfekt. Wir sind Menschen. Wir können lernen und wir können Gewohnheiten verändern.

Denn – und da stimme ich dem Papst wieder vollkommen zu: „Es gibt keine Systeme, die die Offenheit für das Gute, die Wahrheit und die Schönheit vollkommen zunichte machen und die Fähigkeit aufheben, dem zu entsprechen. Jeden Menschen dieser Welt bitte ich, diese seine Würde nicht zu vergessen; niemand hat das Recht, sie ihm zu nehmen.“

Es ist Zeit zu unserer Würde zurück zu finden. Und uns einer gemeinsamen Zukunft zuzuwenden. Jeder von uns zählt.

„Es handelt sich um die Überzeugung, dass „weniger mehr ist“. Die ständige Anhäufung von Möglichkeiten zum Konsum lenkt das Herz ab und verhindert jedes Ding und jeden Moment zu würdigen.“

Papst Franziskus „Laudato si“

Nicola Knoch
Redaktion Initiative Wissen