Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 29  |  Mai 2017

Asubildung im Netzwerk der Initiative Wissen

EINE FRAGE AN DIE PARTNER DER INITIATIVE:


Wo steht das weltweit nachhaltigste Bürogebäude der Welt? In Tokio? In New York? In Delhi, London, Paris oder gar in Deutschland?

Das nachhaltigste Bürogebäude der Welt steht in Amsterdam, genauer gesagt im „World Trade Center“ in Süd-Amsterdam. Das ist für uns zwar nicht gleich „um die Ecke“, trotzdem ist der Name des Gebäudes, „The Edge“, die Ecke.

Ist es überhaupt ein Bürogebäude? Ja, aber es ist auch ein Zentrum für urbanes Leben und Arbeiten in der Zukunft. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt bereits heute in städtischen Gebieten – mehr als je zuvor in der Geschichte – und die Tendenz ist weiter steigend. Das bedeutet, dass immer mehr Menschen auf einer immer kleineren Fläche leben, arbeiten und sich erholen müssen. Gebäude bilden heute einen Großteil des menschlichen Lebensraums.

Was kann dafür getan werden, dass enger werdender Lebensraum unserer Gesundheit zuträglich bleibt? Wie können natürliche Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden? Und wie können neue Technologien dabei helfen?

Mit Gebäuden, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen und dabei in zehn Jahren 42 Millionen Kilogramm CO2 einsparen. Wie The Edge.

Ein ausführlicher Bericht der Initiative aus Amsterdam.

Wie geht das?

The Edge ist so gestaltet, dass das Sonnenlicht optimal genutzt werden kann. Die Glasfassade sorgt dafür, dass man so lange wie möglich vom natürlichen Tageslicht profitieren kann, ohne dass die Sonneneinstrahlung die Innentemperatur beeinflusst. Die Südseite des Gebäudes ist mit hocheffizienten Sonnenpaneelen ausgestattet, die zugleich einen Schutz vor Erhitzung bieten und die Sonnenstrahlen dann aufnehmen, wenn sie am stärksten sind. Das Resultat? Es entsteht mehr Energie, als für Heiz- und Kühlanlagen sowie Smartphones, Laptops und Elektrofahrzeuge der Mitarbeiter benötigt wird.

Heizung und Kühlung von The Edge werden auf nachhaltige Weise geregelt. Dafür wurden in 130 Metern Tiefe zwei Grundwasserbrunnen angelegt: einer für kaltes und einer für warmes Wasser. Diese „Aquifer thermal energy storage“-Pumpen (Grundwasser-Wärmespeicher-Pumpen) befördern, je nach Außen- und Innentemperatur, warmes oder kaltes Wasser in das oder aus dem Gebäude. Die Pumpen werden mittels selbst produzierter Sonnenenergie angetrieben. The Edge nutzt somit auf intelligente und optimale Weise alle nachhaltigen Möglichkeiten.

98,36 % – die höchste Punktzahl, die jemals von BREEAM vergeben wurde (http://www.breeam.com/ BREAAM-NL Outstanding (Herausragend)

In The Edge kann jeder Mitarbeiter mit einem Smartphone oder Tablet die Beleuchtung und das „Klima“ an seinem Arbeitsplatz regeln – mit einer speziell entwickelten Philips-App. Die 6.000 energiesparenden LEDs sind an einen Tageslicht-, Temperatur-, Infrarot- und Bewegungssensor gekoppelt. Sie sind nur dann aktiv, wenn sie benötigt werden. Die LEDs sparen Energie, weil sie 300 Lux aussenden anstatt der herkömmlichen 500 Lux. Das Resultat: 3,9 Watt/m2 Verbrauch anstatt der üblichen 8 Watt/m2.

The Edge ist nicht nur gut für die Umwelt, es bietet den Nutzern auch ein gesundes Innenklima. Dazu trägt z. B. das „Heat Recovery Ventilation System“ bei: ein intelligentes Ventilationssystem mit Wärmerückgewinnung.

Regenwasser, das auf das Dach und auf die Fassade von The Edge fällt, wird automatisch gesammelt und zur Bewässerung der Pflanzen, des Bürogartens und zum Durchspülen der Toiletten genutzt.

Sowohl die Initiative CO2 als auch die Initiative Wissen informieren ihre Partner über interessante und herausragende Projekte. Im globalen Vergleich ist es wichtig zu erkennen, wo wir stehen. Unsere „kleinen“ holländischen Nachbarn zeigen im WTC Amsterdam moderne, internationale und innovative Architektur, die man eher in den großen Metropolen der Welt vermuten würde.

Den Bericht und die Fotostrecke von Peter Grabandt können Sie hier ansehen: „The Edge“

Peter Grabandt – Redaktion Initiative Wissen