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Ausgabe 33  |  Juli 2017

Zu Besuch im Handelszentum Röttenbach

ZU BESUCH IM HANDELSZENTRUM RÖTTENBACH

Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Exkursion vom 11.05.2017

Im Rahmen der Vorlesung „Leitungsnetze und Kanäle“ von Herrn Prof. Christ hat eine externe Lehrveranstaltung in Röttenbach stattgefunden. Dort befindet sich seit Januar 2017 das neue Handelszentrum der HTI Gienger KG. Im Zuge des Neubaus wurden unterschiedlichste Entwässerungskonzepte zu Demonstrations- und Testzwecken eingebaut, die auch Inhalt der Veranstaltung waren. Von der HTI Gienger KG wurden Vertreter der Hersteller der unterschiedlichen Konzepte eingeladen, um die Produkte vorzustellen. Frau Fisker eröffnete die Vortragsreihe und als erstes Thema stand „Regenwassermanagement und Dachbegrünung über Retention bis zur Einleitung in das öffentliche Gewässer“ auf der Agenda. Herr Behnert von der Firma ZinCo GmbH stellte zunächst Gründe für eine Dachbegrünung dar. Zu nennen sind hier vor allem:

  • durch Retention induzierte Entlastung der Kanalisation,
  • Verringerung des urbanen Hitzeinsel-Effekts,
  • Bindung von Staub und Luftschadstoffen,
  • erhöhter Freizeitwert,
  • Erhöhung der ökologischen Diversität.

Der Aufbau der Dachbegrünung orientiert sich an der Natur. Ausgangsgestein mit wasserführenden Schichten, die die Pflanzen in Trockenperioden über kapillaren Aufstieg nutzen, wird im Dachbegrünungs-Systemaufbau als Dränageelement verkörpert. Ein Systemfilter ersetzt die natürlicherweise vorhandenen Tonumlagerungen und Verwitterungsprodukte. Humoser Oberboden wird durch Systemerde ersetzt und speziell an den jeweiligen Bewuchs angepasst. Je nach Dachneigung und Nutzungsziel (extensive oder intensive Nutzung) unterscheiden sich der genaue Systemaufbau und die verwendeten Materialien. Herr Behnert stellte zuletzt noch die Dachbegrünung 4.0 vor. Es handelt sich dabei um Dachbegrünungskonzepte, die aufgrund der Problematik von Urbanisierung und Klimawandel entwickelt wurden. Vier Systemaufbauvarianten sind daraus entstanden:

  • Systemaufbau „Retentions-Gründach“, hier steht der Wasserrückhalt durch Dachbegrünung im Vordergrund,
  • Systemaufbau „Klima-Gründach“, der für eine maximale Verdunstungsleistung entworfen wurde,
  • Systemaufbau „Bewässerte Extensivbegrünung“, um auch in Regionen mit langen Trockenperioden eine artenreiche Dachbegrünung zu ermöglichen,
  • Biodiversitäts-Gründach, das mit unterschiedlichsten Biodiversitäts-Modulen (z. B. Totholz, Teich etc.) für mehr Artenvielfalt sorgen soll.

Abgerundet wurde der Vortrag von Herrn Behnert durch die Begehung der Dachterrasse vor Ort. Die HTI Gienger KG hat dort auf dem Dach ihres neuen Handelszentrums eine Dachbegrünung installiert. Die Exkursionsteilnehmer hatten Zeit, sich die Anlage anzuschauen und Fragen zu stellen. Ziel der Untersuchungen ist ein Vergleich zwischen Dachbegrünung und normalem Dach im Zusammenhang mit der Wasserbilanz. Zu diesem Zweck wurden auf dem Dach zwei Lysimeter eingebaut. Ein Lysimeter befindet sich im Bereich der Dachbegrünung und das zweite Lysimeter wurde in den normalen Dachaufbau integriert. Um eine ganzheitliche Betrachtung möglich zu machen, wurde auf dem Dach außerdem noch eine Wetterstation aufgebaut und das Sickerwasser kann über eine Probenahmestelle für weitere Untersuchungen entnommen werden. Die Lysimeter stammen vom Hersteller Umwelt-Geräte-Technik GmbH und der Geschäftsführer der Firma stellte den Geräteaufbau vor. In einem definierten Volumen wird über messtechnische Aufnahmen (hauptsächlich die Wägung der Lysimeter) der Wasser- bzw. Stofftransport nachvollzogen. Die gesammelten Daten können über den Soil Vegetation Atmosphere Data Sensor Service, kurz SVADSS, ausgewertet werden. Es handelt sich dabei um ein Online-Datenmanagement-System, welches Standardauswertungen und -Charts vornehmen kann sowie auch eine individuelle Auswertung möglich macht. Für den Standort Röttenbach konnten einige Ausschnitte der Datenanalyse betrachtet werden, aber eine genaue Analyse der Daten ist noch nicht vorgenommen worden.

Anschließend referierte Herr Vogt von der Enregis GmbH über Entwässerung und Retention. Hier stellte er zuerst ein Projekt an der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen vor. Um einer Kanalüberlastung entgegenzuwirken, musste eine Regenwasserretentionsanlage mit einem Rückhaltevolumen von 400 m³ erbaut werden. Das Hauptthema stellt allerdings die Retentionsanlage dar, die am HTI Handelszentrum in Röttenbach erbaut wurde. Ein Speicherbecken von 98 m³, welches aus dem Enregis/X-Box-System aufgebaut ist, kann einen Teil des Regenwassers aufnehmen, das bei der Dachfläche von 14.000 m² anfällt. Ein Film über den Bau der Retentionsanlage rundete den Vortrag ab.

Der nächste Referent, Stefan Litz von der ACO Tiefbau GmbH, stellte die Produkte seines Arbeitgebers vor. Systeme sowohl zur Linien- als auch zur Punktentwässerung waren Inhalt seines Vortrages. So stellte er die neue „ACO Drain Seal in“-Technologie vor. Dieses Rinnensystem verfügt über eine serienmäßige Dichtung und sorgt dafür, dass kein Wasser unkontrolliert versickert. Nach der theoretischen Einführung konnte zusammen mit dem Referenten und Herrn Lechner von der HTI Gienger KG eine Teststrecke besichtigt werden, auf der verschiedene Ablaufrinnen verbaut sind. Einige Ablaufrinnen sind so eingebaut, wie es von den Herstellern empfohlen wird; andere hingegen so, wie es häufig in der Realität umgesetzt wird. Über diese Teststrecke fahren alle Lkws, die das Handelszentrum beliefern. So soll getestet werden, ob es einen Unterschied in der Abnutzung der Rinnen gibt. Neben der unterschiedlichen Einbauweise sind zudem verschiedene Rinnentypen in die Teststrecke eingebaut.

Im nächsten Vortrag erläuterte Herr Ketzer von der HTI Gienger KG die Logistik am Handelszentrum. Hier stellte er die Kostenträger in diesem Bereich vor und erklärte, wie viel ein Quadratmeter Palettenfläche am Standort kostet. Zudem erläuterte er, wie die HTI Gienger KG mit den Anforderungen der Just-in-time-Produktion umgeht.

Als Abschluss führte Ansgar Wolken von der HTI Gienger KG die Studentengruppe nach einer kurzen theoretischen Einführung über das Gelände. Zuerst konnte die Heizzentrale besichtigt werden, um dort Informationen über das Heiz- und Kühlsystem des Handelszentrums zu erlangen. Anschließend durfte ein Schacht bestiegen werden, in dem die Leitungen der Geothermieanlage, die aus 32 Sonden besteht und bis in eine Tiefe von 90 m vordringt, anzutreffen sind. Als Abschluss zeigte Herr Wolken den Studierenden eine Teststrecke für Dichtigkeitsprüfung nach DVGW, in der sowohl Stahl- als auch PE-Rohre verbaut sind.

Um 17:00 Uhr verabschiedeten sich die Studierenden und Prof. Christ dankte der HTI Gienger KG für die Einladung und den gelungen und interessanten Tag.