Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 41  |  Dezember 2017

Liebe Partner der Initiative Wissen,

zum Jahresende hin möchten wir, unsere Redakteurin Nicola Knoch und ich, Sie mitnehmen auf eine Reise. Jeder von uns hat es schon erlebt. Man begibt sich auf eine lang ersehnte Reise und nur wenn man diese auch festhält, können die vielen schönen Momente und Erlebnisse konserviert und zu Hause wieder und wieder durchlebt werden. Frau Knoch lässt uns in mehreren Kapiteln teilhaben an ihrer Reise nach Bhutan.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dem ersten Kapitel – Entscheidung.
Ihre Katrin Bacher

Reise nach Bhutan – Kapitel 1: Entscheidung

REISE NACH BHUTAN – KAPITEL 1: ENTSCHEIDUNG

Sommer 2014: Im Münchner Rathaus gibt es einen Vortrag zum Thema „Bruttosozialglück in Bhutan“. Viel habe ich davon bereits gehört und weiß dennoch bisher nur sehr wenig. Meine Neugier ist geweckt und ich melde mich zum Vortrag an.

Bhutan ist ein kleines Land im östlichen Himalaya, hat in etwa die Fläche von Baden-Württemberg und gehört zu den höchstgelegenen Ländern der Erde. Die vorherrschende Religion ist der Buddhismus. Es ist ein Königreich, das sich selbst in den siebziger Jahren mit dem Erlass des Bruttosozialglücks einen Wert geschaffen hat, der dem Land seine Eigenständigkeit bewahrt und sich seine Wurzeln behält.

Was ich im Vortrag zu hören bekomme, macht mich noch neugieriger: Das Bruttosozialglück wurzelt im Erhalt der traditionellen Kultur, der Ressourcen des Landes und nicht zuletzt des Reichtums der Natur. Das Konzept bezieht neben den wirtschaftlichen Daten auch den ausgewogenen Umgang mit den Ressourcen des Landes, die soziale und gesellschaftliche Entwicklung, Gleichberechtigung, die gerechte Verteilung der Güter und den Schutz der kulturellen Werte in die Berechnungen mit ein. Der Bruttonationalglückindex (kurz BNG) ist eine Zusammenfassung des Wohlergehens der Einwohner der sich aus neun Lebensbereichen zusammensetzt, die wiederum aus 33 unterschiedlichen Indikatoren bestehen. Weit entfernt von unserem Bruttoinlandsprodukt, das im Wesentlichen auf wirtschaftlichen Indikatoren fußt und auf Wachstum beruht.

Bis in die ersten 2000 Jahre belächelt, reisen heute immer mehr Experten (auch aus dem Wirtschaftsbereich) nach Bhutan, um zu verstehen und von Bhutan zu lernen. Denn das Prinzip funktioniert: Jede politische Entscheidung wird ausschließlich in der Balance aller Indikatoren getroffen. Rein wirtschaftliche Entscheidungen gibt es nicht.

Im Vortrag wird vieles von dem angesprochen worauf ich hier keine Antwort finde: Warum lassen wir es zu, dass wir unsere Natur zerstören, obwohl wir es besser wissen? Warum fällt es uns zwar leicht von Werten zu sprechen und gleichzeitig so schwer diese dann auch zu leben? Warum sind wir immer getriebener obwohl unser Wohlstand (nach unseren Maßstäben) ständig wächst?

In den Wochen nach dem Vortrag reift in mir meine Idee: Ich werde nach Bhutan reisen. Ich möchte in Kontakt kommen, das erleben was ich gehört habe. Wie und wann weiß ich noch nicht, aber die Gelegenheit wird kommen.

Und es dauert nicht sehr lange: Im Frühjahr 2016 erfahre ich dass ein mir bekannter Bergführer eine Tour in Bhutan anbietet. Nur: die Kosten sind mir zu hoch. Jeder Tag in dem Königreich kostet 250 Dollar – auch eine Maßnahme um nicht vom Tourismus überrollt zu werden. Für die Reise sind 12 Tage in Bhutan geplant – und damit übersteigt der Preis für diese Reise meine finanziellen Kapazitäten. Ich schreibe ihm, dass ich gerne dabei wäre – für eine solche Reise aber erst einmal sparen muss.

Und die Gelegenheit kommt wieder: Ende 2016 wird die Reise erneut angeboten – für November/Dezember 2017 und deutlich günstiger. Nach kurzer Rücksprache mit zwei Freuden steht der Entschluss. Wir sind dabei!

Nicola Knoch
Redaktion Initiative Wissen