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Ausgabe 8  |  März 2018

Meditation im Arbeitsumfeld

MEDITATION IM ARBEITSUMFELD

Meditation im Arbeitsumfeld oder warum Achtsamkeit in Unternehmen an Bedeutung gewinnt

Google und Apple haben es vorgemacht, jetzt ist auch SAP auf dem Weg hin zu mehr Achtsamkeit. Mehrere tausend Mitarbeiter haben bereits ein Einstiegsseminar besucht, viele weitere stehen auf Wartelisten. Auf Wartelisten für etwas, das selbstverständlich sein sollte: durchatmen, atmen, zur Ruhe kommen.

Das so Lebensnotwendige ist in unserer heutigen Arbeitswelt nicht mehr selbstverständlich. Unterschiedliche Studien bestätigen, dass in Umfragen mangelnde Wertschätzung und zu geringer Verdienst als belastende Einflüsse ihre Spitzenplätze abgegeben haben – heute stehen an erster Stelle Komplexität, Beschleunigung und ständige Kommunikationsverfügbarkeit. Und diese zunehmende Komplexität ist ein ebenfalls zunehmender Garant für hohe Ausfallzeiten und abnehmende Belastbarkeit bis hin zum Burn-out.

Auch deshalb folgen die Unternehmen einem Trend, der sich in der Gesellschaft schon länger abzeichnet: Egal ob als Folge der Digitalisierung und Kommunikationskultur oder als natürlich parallel verlaufender Prozess – Achtsamkeit wird in Unternehmen zunehmend gesellschaftsfähig.

Ein erster Schritt kann schon sein, den Mitarbeitern Möglichkeiten für Auszeiten oder Ruhepausen während der Arbeitszeit zu gewähren. Doch besonders die Führungsebene wird enorm gefordert und da reichen Ruhepausen nicht mehr aus. In einer Zeit, in der die Arbeitswelt immer komplexer wird, wird die Verunsicherung unter Führungskräften größer. Neben Aufmerksamkeit für das Außen sollen sie zur gleichen Zeit innerlich fokussiert und mit voller Präsenz anwesend sein. Gleichzeitig müssen sie inzwischen oftmals Entscheidungen treffen, die sie nicht, wie gewohnt, auf ein Fundament aus Zahlen, Daten und Fakten stellen können. Ein gutes Bauchgefühl und eine solide Wertebasis der Führungskräfte gewinnen an Relevanz, wenn Unternehmen zukunftsfähig bleiben sollen. Die Qualität der Intuition, die an dieser Stelle gebraucht wird, hat nichts mit einem „diffusen Bauchgefühl“ zu tun, sondern mit der Kraft von Entscheidungen, die aus einer echten und tiefen inneren Haltung heraus getroffen werden. Mit einer Achtsamkeit, sich nicht zu Entscheidungen treiben zu lassen, sondern Entscheidungen aus einem Gefühl von echter innerer Sicherheit zu treffen, bei der die empirische Sachlage mitnichten übergangen, sondern vielmehr ergänzt und erweitert wird.

Mit dem ReSource-Projekt hat das Max-Planck-Institut in Leipzig eine Langzeitstudie vorgelegt, in der die Probanden über einen Zeitraum von elf Monaten begleitet wurden. Anhand von unterschiedlichen Übungen wurden Fähigkeiten wie Empathie, Aufmerksamkeit, Selbstwahrnehmung und Mitgefühl trainiert – mit dem Ergebnis, dass die Teilnehmer im Anschluss sowohl zufriedener und stressresistenter als auch geistig klarer waren.

Meditation ist eine Möglichkeit, sich dieser Qualität zu öffnen. Obwohl tief verwurzelt in allen traditionellen Kulturen und Religionen, hat es hierzulande auch diese wissenschaftlichen Studienergebnisse gebraucht, um der Meditation einen zunehmenden Zulauf zu bescheren. In der Meditation geht es vor allem um Eines: um nichts. Jede Absicht steht der Meditation entgegen. Es geht darum, wahrzunehmen, was in jedem einzelnen Moment einfach da ist. Nichts zu wollen und nichts zu müssen – nur zu sein und wahrzunehmen. Meditation ist eine Haltung, die hilft, innerlich klarer zu werden.

Solche Methoden in den Unternehmensalltag einzubeziehen, erfordert Mut, denn sie stehen auch für einen Perspektivenwechsel. Sie bedeuten auch, den Mitarbeitern Raum zu geben, sich selbst und die Umgebung infrage zu stellen. Und doch können am Ende dabei alle gewinnen: die Mitarbeiter, indem sie Raum zum Durchatmen bekommen, und die Unternehmen, da ihre Mitarbeiter lernen, mit einer steigenden Komplexität umzugehen, im entscheidenden Moment auch einmal Nein und aus einer echten inneren Haltung Ja zu sagen.

Nicola Knoch
Redaktion Initiative Wissen