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Ausgabe 12  |  Mai 2018

Arbeiten 4.0 – das Weißbuch des BMAS

ARBEITEN 4.0 – DAS WEISSBUCH DES BMAS

Auf knapp 200 Seiten erläutert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales seine Sicht auf die Zukunft der Arbeitswelt und macht deutlich, welche Treiber und Trends die Arbeitswelt verändern werden. Die Initiative Wissen hat sich genauer mit dem Dokument beschäftigt und bietet ihren Partnern eine Zusammenfassung der fünf Kapitel an:

  1. Treiber und Trends
  2. Spannungsfelder der Arbeitswelt 4.0
  3. Leitbild: Gute Arbeit im digitalen Wandel
  4. Gestaltungsaufgaben
  5. Arbeit weiter denken: Trends erkennen, Innovationen erproben, Sozialpartnerschaft stärken

Das Weissbuch Arbeiten 4.0 steht Ihnen zum Download unter http://www.initiative-wissen.de/downloads/ zur Verfügung.

Teil 1: Treiber und Trends

Digitalisierung

Hier sind die Treiber der technische Fortschritt, die Globalisierung, der demografische Wandel und der fortgesetzte gesellschaftliche Wandel. „Vom Papyrus über die Wachstafel bis zum Word-Dokument, von Pferd und Wagen über Eisenbahn und Automobil bis zum selbstfahrenden Auto, vom Rechenschieber über die Lochkarte bis zum Grid-Computing – Technologie war schon immer ein Treiber von Veränderungen und gesellschaftlichem Fortschritt.“ (Weissbuch S. 19)

Kein Prozess ist für sich genommen wirklich neu. Neu sind jedoch die Tiefe und das Tempo der Veränderungen. „Der digitale Wandel wird nach und nach alle Funktionen entlang des Wertstroms umfassend verändern. Dies betrifft insbesondere die Produktion, die Logistik und Dienstleistungen.“ (Robert Bosch GmbH) Künstliche Intelligenz, neue Fertigungstechniken wie der 3-D-Druck, neue Sensorik oder Big Data – die neue Dynamik entsteht durch die digitale Vernetzung der verschiedenen Entwicklungen (vgl. Weissbuch S. 21). Ein Drittel der deutschen Betriebe hat sich noch nicht mit der Nutzung dieser Technologien beschäftigt.

Globalisierung

Wer vielleicht gerade das Buch „Die zweite Renaissance“ liest oder gelesen hat, der weiß, dass globaler Handel nichts Neues ist und schon seit der Antike expandierte. Die starke Beschleunigung seit den 1980er-Jahren ist das interessanteste Phänomen, das in weltumspannender Informations-und Kommunikationstechnik zum Ausdruck kommt. Die folgende Grafik zeigt sehr deutlich, auf welchen bestehenden Strukturen sich die „jüngeren“ Entwicklungen etablieren. Zukunft der Arbeit bedeutet, mobiler und flexibler zu arbeiten, aber auch ersetzbarer zu sein. Globalisierung und Technologisierung ermöglichen es, von überall in derselben Qualität zu arbeiten.

Demografie und das Arbeitskräfteangebot der Zukunft

Die wachsende nationale und internationale Mobilität ist ein weiterer Faktor der demografischen Veränderung, neben der sog. „Alterspyramide“. Die Differenz zwischen der Zahl der Zuzüge und der Zahl der Fortzüge ist die sog. „Nettowanderung“. Nach vorläufigen Ergebnissen belief sich der Saldo auf 1,1 Millionen Menschen, wobei ca. 2,1 Millionen Menschen nach Deutschland zu- und knapp 1 Million fortgezogen sind. Seit der Wiedervereinigung bis zum Jahre 2015 sind durchschnittlich jedes Jahr gut 280.000 Menschen mehr nach Deutschland zu- als fortgezogen. Das bedeutet u. a.: Das vorhandene Potenzial an Fachkräften in der Bevölkerung muss genutzt und der Kreis möglicher Bewerber, insbesondere mit Blick auf ausländisches Fachkräftepotenzial, gefasst werden. Bei aller Dramatik sollte dabei auch die derzeitige massive Zuwanderung von Flüchtlingen nach Deutschland als Chance gesehen werden, qualifizierte Fachkräfte unter diesen für den deutschen Arbeitsmarkt und eine dauerhafte Beschäftigung zu gewinnen (dbb beamtenbund und tarifunion).

Das Bildungsniveau der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Derzeit erwerben 41 Prozent eines Schuljahrganges die allgemeine Hochschulreife, 2006 waren es noch 30 Prozent. Darunter sind mittlerweile mehr Frauen als Männer. Das hilft allerdings den Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften kaum weiter.

Kultureller Wandel

Familienmodelle und Zeitbedarfe verändern sich mit dem Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zuge dieser Entwicklungen wandeln sich auch die Ansprüche an die eigene Arbeit. Frauen und Männer wollen gleichberechtigter arbeiten. „Die Umsetzung von Vereinbarkeitswünschen wird von vielen Menschen als große Herausforderung empfunden. Das gilt insbesondere für sorgeintensive Lebensphasen, etwa in Zeiten der Betreuung kleiner Kinder oder bei der Pflege älterer Angehöriger.“ (Zukunftsforum Familie S. 33)

Die Entdeckung immer neuer Generationen (wie der Generationen „X“ und „Y“) weist auf einen permanenten Wertewandel hin. Trotzdem bleibt bei Berufseinsteigern auch heute noch der sichere und gut bezahlte Arbeitsplatz der wichtigste Aspekt. Das zeigt sehr deutlich auch die folgende Grafik des BMAS.

Von den sieben idealtypisch beschriebenen Wertewelten hat mit 28 Prozent der Anspruch auf „sorgenfrei von der Arbeit leben können“ eindeutige Priorität und wird durch nachfolgende Werte beim Thema „Selbstentfaltung“ wie „sich in der Arbeit selbst verwirklichen“ oder „Balance zwischen Arbeit und Leben finden“ nachrangig ergänzt. Die im dunkleren Bereich thematisierten Werte stehen den sieben positiven Wertewelten diametral entgegen.

Die Digitalisierung bedeutet für den einen Teil der Befragten die Möglichkeit, Arbeit selbstbestimmter zu gestalten, andere sehen das Risiko einer weiteren Verdichtung oder des Arbeitsplatzverlustes.

Zu dieser Grafik findet sich auf S. 36 und 37 des Weissbuchs eine sehr detaillierte Definition der sieben „Wertewelten“.

Kultureller Wandel und neue Konsumentenbedürfnisse

Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung und der Wandel von Kultur und Alltagsleben stehen in einer Wechselbeziehung. Der breite Zugang zu Informationen, die Kommunikation über soziale Netzwerke, die Einflussnahme von Algorithmen auf unser Denken und Handeln – all dies wird unsere Gesellschaft gravierend verändern. Daraus ergeben sich auch veränderte Konsumgewohnheiten, der Onlinehandel hat viele Branchen radikal verändert. Der Unterschied zwischen Produzent und Konsument verschwimmt im „Prosumenten“, etwa wenn ein mit entsprechender Software vom Verbraucher entworfenes individuelles Designmöbelstück in einer digitalen Fabrik hergestellt wird (Arbeitnehmerkammer Bremen).

„Die Folgen für die Gesellschaft sind ambivalent: Ökologische Nachhaltigkeit und Wirtschaftswachstum stehen einem zunehmenden Druck auf Arbeitsstandards und Entlohnungsbedingungen sowie einer möglichen Zunahme niedrigqualifizierter Dienstleistungsarbeit gegenüber. Die Gestaltung der Arbeit der Zukunft ist deshalb nicht von der Frage zu trennen, welche Ansprüche wir als Konsumentinnen und Konsumenten stellen werden und sollten.“ (Weissbuch S. 39)

Peter Grabandt
Redaktion Initiative Wissen