Newsletter Initiative Wissen

Ausgabe 13  |  Juni 2018

Liebe Partner der Initiative Wissen,

vielleicht kann sich der eine oder andere unter Ihnen noch an Frau Leonie Wörlein erinnern? Frau Wörlein hat im September 2016 ihr duales Studium bei uns begonnen und absolviert derzeit ihre zweite Praxisphase beim AmperVerband. Wie es ihr dort geht und an welchen spannenden Projekten sie mitarbeiten darf, erzählt sie uns in diesem Newsletter.

Haben Sie genauso viel Freude beim Lesen wie ich!
Ihre Katrin Bacher

Praxisbericht Amperverband

PRAXISBERICHT AMPERVERBAND

Der AmperVerband ist 1960 gegründet worden und kümmert sich um die Abwasserentsorgung von zehn Städten und Gemeinden. In der Kläranlage Geiselbullach wird das Schmutzwasser gründlich gereinigt, aufbereitet und schließlich sauber in die Amper zurückgeführt. Im Jahr 2000 übernahm der Verband zusätzlich die Betriebsführerschaft für den „Zweckverband zur Wasserversorgung der Ampergruppe“ und ist seitdem auch für die Trinkwasserversorgung von vier Städten und Gemeinden zuständig.

Darstellung der Phosphatveränderung während der biologischen Phosphatelimination

Darstellung der Phosphatveränderung während der biologischen Phosphatelimination

Insgesamt 22 Wochen verbringe ich mein Praxissemester in der Kläranlage Geiselbullach und arbeite an täglichen Aufgaben mit. Außerdem ist es meine Aufgabe, eine Phosphor- und Stickstoffbilanzierung der biologischen Reinigungsstufe zu erstellen. Damit soll abgeschätzt werden, wie groß das vorhandene Potenzial der biologischen Phosphorelimination ist. Ferner kann mithilfe der Stickstoffbilanzierung ermittelt werden, wie stark die Schieflast in den zwei Straßen variiert. Bei der biologischen Phosphorelimination (kurz: Bio-P) werden Polyphosphat akkumulierende Organismen in einem anaeroben Becken (ohne Sauerstoff) in eine Stresssituation gebracht. Um zu verhindern, dass die Mikroorganismen wegen zu wenig Sauerstoff absterben, geben sie die in ihren Zellen eingelagerten Phosphate ab, wodurch Energie freigesetzt wird, welche sie zum Überleben verwenden. Wenn die Mikroorganismen dann in einen aeroben Lebensbereich gelangen, nehmen sie das zuvor gelöste Phosphat wieder auf und lagern zusätzlich noch weitere Phosphate in ihren Zellen ein, wodurch dann der gesamte Phosphatgehalt im Wasser sinkt. Damit dieser Prozess unterstützt wird, muss leicht abbaubares organisches Substrat für die Mikroorganismen zur Verfügung stehen. Dies bedeutet, dass im Abwasser eine hohe Konzentration an BSB5 vorhanden sein muss. Die vermehrte biologische Phosphorelimination ist im Hinblick auf die Klärschlammnovelle ein sehr interessanter Ansatz, da man noch mehr Phosphor aus dem Wasser eliminieren und diesen dann zurückgewinnen kann. Phosphor ist neben Stickstoff das wichtigste Nährstoffelement des Ökosystems und nicht substituierbar. So kann Phosphor unter anderem ein limitierender Faktor im Pflanzenwachstum sein. Ungedüngte Böden enthalten in der Regel zu wenig für die Pflanzen verfügbares Phosphat, sodass Dünger zugeführt werden müssen, um speziell in Wachstumsperioden den erhöhten Bedarf der Pflanzen an Phosphat und anderen Nährstoffen zu decken. Die Phosphor-und Stickstoffbilanzierung erstelle ich, indem ich Proben aus den einzelnen Becken der biologischen Reinigungsstoffe entnehme und diese anschließend im Labor mithilfe von Küvettentests analysiere.

Stoffwechsel polyphosphatspeichernder Bakterien

Stoffwechsel polyphosphatspeichernder Bakterien

Mein Projekt finde ich sehr abwechslungsreich und spannend. Ich freue mich auf meine restlichen Wochen beim AmperVerband und hoffe, dass ich diesen mit meiner Arbeit unterstützen kann.

Leonie Wörlein,
dual Studierende an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Studiengang Wassertechnologie